Welche Reifen darf ich fahren? Der komplette Guide 2024

Guiseppe Naumann .

4. April 2026

Reifenprofil und Bußgeldbescheid: Welche Reifen darf ich fahren? Achten Sie auf das Schneeflockensymbol für Winterreifen, sonst droht Strafe.
Welche Reifen darf ich fahren? Die Antwort steckt selten nur in einer einzigen Zeile der Fahrzeugpapiere, sondern in der Kombination aus Zulassungsbescheinigung, CoC-Dokument, Last- und Geschwindigkeitsindex sowie gegebenenfalls einer Felgenfreigabe. Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie du die zulässige Reifendimension für dein Fahrzeug prüfst, worauf es bei Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen ankommt und wann eine Abnahme durch TÜV oder DEKRA nötig wird.

Die richtige Reifenkombination ergibt sich aus Papieren, Kennzahlen und Freigaben

  • In der Zulassungsbescheinigung Teil I steht meist nur eine Reifengröße, weitere zulässige Kombinationen findest du im CoC-Dokument.
  • Reifengröße, Lastindex und Geschwindigkeitsindex müssen zum Fahrzeug passen. Höhere Werte sind meist unkritisch, niedrigere nur in klar geregelten Ausnahmen.
  • Für winterliche Bedingungen brauchen Reifen in Deutschland das Alpine-Symbol; reine M+S-Reifen reichen dafür nicht mehr.
  • Bei Felgen, Mischbereifung oder Umbauten entscheidet nicht das Bauchgefühl, sondern ABE, Teilegutachten oder eine Abnahme.
  • Die eingetragene Größe im Fahrzeugschein muss nicht die tatsächlich montierte sein. Entscheidend ist die genehmigte Kombination.

Woran ich die zulässige Reifengröße zuerst festmache

Wenn ich bei einem Fahrzeug prüfen will, welche Reifen wirklich erlaubt sind, schaue ich nie als Erstes auf die alte oder aktuelle Montage, sondern auf die Papiere. In der Zulassungsbescheinigung Teil I steht in der Regel nur eine Reifendimension, aber das ist nur die Basiskombination. Weitere freigegebene Größen stehen im CoC-Dokument, also in der EG-Übereinstimmungsbescheinigung, und genau dort wird es für viele Fahrer erst interessant.

Dokument Worauf ich schaue Wie weit es mich bringt
Zulassungsbescheinigung Teil I Die eingetragene Reifendimension, meist in den Feldern 15.1 und 15.2 sowie 22 Gute erste Orientierung, aber nicht vollständig
CoC-Dokument Alle vom Hersteller freigegebenen Rad- und Reifenkombinationen Entscheidend für alternative Größen
Bedienungsanleitung / Herstellerunterlagen Hinweise zu Sonderfreigaben, Winterrädern oder optionalen Größen Nützlich, aber nicht allein bindend
ABE oder Teilegutachten Freigaben für Zubehörfelgen oder Umbauten Wichtig, wenn du nicht bei der Serienkonfiguration bleibst
Prüfbericht / Eintragung Bestätigung einer bereits abgenommenen Änderung Relevant, wenn die Kombination nicht seriennah ist

Die wichtigste praktische Erkenntnis daraus ist einfach: Der Fahrzeugschein allein reicht oft nicht aus. Er zeigt dir die Serienbasis, nicht immer die komplette Bandbreite dessen, was für dein Auto freigegeben ist. Wenn die Papiere sauber sind, prüfe ich als Nächstes die Zahlen auf der Reifenflanke, denn dort steckt der technische Teil der Antwort.

So lese ich die Kennzeichnung auf der Reifenflanke

Auf der Seitenwand steht mehr als nur ein Größenhinweis. Eine typische Angabe wie 205/55 R16 91V sagt mir sofort, ob der Reifen technisch zu dem Fahrzeug passt. Wer nur die Breite vergleicht, übersieht schnell den Rest, und genau dort entstehen die teuren Fehlkäufe.

Teil der Kennzeichnung Beispiel Bedeutung
Reifenbreite 205 Breite des Reifens in Millimetern
Querschnittsverhältnis 55 Höhe der Flanke in Prozent der Breite
Bauart R Radialbauart, heute der Standard bei Pkw-Reifen
Felgendurchmesser 16 Passender Felgendurchmesser in Zoll
Lastindex 91 Maximal tragbare Last pro Reifen
Geschwindigkeitsindex V Zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens

Für die Praxis heißt das: Der Reifen darf mindestens die geforderte Traglast und Geschwindigkeit mitbringen. Ein höherer Lastindex oder Speedindex ist in der Regel kein Problem. Kritisch wird es, wenn der Wert darunterliegt oder wenn die Freigabe des Fahrzeugs etwas anderes vorsieht. Zusätze wie XL oder Reinforced deuten übrigens auf eine erhöhte Tragfähigkeit hin, ersetzen aber keine fehlende Freigabe. Damit ist die technische Seite geklärt, und der nächste Knackpunkt ist die Saisonfrage.

Wann Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen anders behandelt werden

Bei der Frage nach den erlaubten Reifen spielt die Jahreszeit eine größere Rolle, als viele annehmen. Sommerreifen müssen grundsätzlich zum Fahrzeugschein passen, vor allem beim Geschwindigkeitsindex. Bei Winter- und Ganzjahresreifen gelten in Deutschland zusätzliche Regeln, wenn winterliche Straßenverhältnisse herrschen.

Reifenart Worauf es ankommt Praxisregel
Sommerreifen Reifengröße, Lastindex und Speedindex müssen zur Fahrzeugfreigabe passen Der Speedindex sollte mindestens der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs entsprechen
Winterreifen Alpine-Symbol ist Pflicht für winterliche Bedingungen Ein niedrigerer Speedindex kann zulässig sein, wenn ein sichtbarer Hinweis auf die geringere Höchstgeschwindigkeit angebracht ist
Ganzjahresreifen Für den Wintereinsatz ebenfalls Alpine-Symbol nötig Im Winter wie Winterreifen behandeln, im Sommer gelten die normalen Größen- und Indexregeln

Ein Punkt wird dabei oft falsch erinnert: Reine M+S-Reifen reichen für winterliche Bedingungen nicht mehr aus. Wer bei Schnee, Eis oder Schneematsch ohne passende Wintertauglichkeit unterwegs ist, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern auch Punkte. Für den Fahrer beginnt das bei mindestens 60 Euro und 1 Punkt. Ich achte deshalb nicht nur auf die Größe, sondern immer auch auf das Symbol auf der Flanke und auf den Speedindex. Sobald das passt, bleibt noch die Frage, ob die Felge selbst überhaupt mitspielt.

Warum Felgenfreigaben und Umbauten extra geprüft werden müssen

Bei Felgen wird aus einer einfachen Reifenfrage schnell eine Umbaufrage. Die passende Reifengröße allein sagt noch nicht, ob die Kombination mit der Felge, der Achslast, der Bremsanlage und der Freigängigkeit harmoniert. Genau deshalb sind ABE, Teilegutachten und im Zweifel eine Einzelabnahme so wichtig.

Nachweis Was er praktisch bedeutet Was ich daraus ableite
ABE Die Kombination ist für bestimmte Fahrzeuge freigegeben, Bedingungen müssen eingehalten werden Oft keine zusätzliche Abnahme nötig, solange alle Auflagen erfüllt sind
Teilegutachten Das Teil ist grundsätzlich prüfbar, aber die Änderung muss abgenommen werden Änderungsabnahme einplanen, sonst kann die Betriebserlaubnis wackeln
Keine passende Freigabe Es gibt keinen ausreichenden Nachweis für genau diese Kombination Einzelabnahme oder andere Lösung mit Prüfer abstimmen

Besonders vorsichtig bin ich bei Mischbereifung, also unterschiedlichen Dimensionen vorne und hinten. Das ist nur dann sauber, wenn es ausdrücklich vorgesehen ist. Gleiches gilt für Felgen mit anderer Breite oder Einpresstiefe: Die Räder dürfen nicht schleifen, die Traglast muss reichen, und die Spur darf nicht unzulässig verändert werden. Wenn ich hier einen Rat gebe, dann diesen: Zubehörteile immer mit vollständiger Fahrzeugidentifikation kaufen, nicht nur nach optischer Passung. So landet man deutlich seltener bei der Prüfstelle.

Diese Fehler führen am häufigsten zu Ärger

  • Nur auf die Breite schauen und Lastindex oder Speedindex ignorieren.
  • Die im Fahrzeugschein eingetragene Größe für die einzig erlaubte halten.
  • Winter- oder Ganzjahresreifen ohne Alpine-Symbol weiterfahren, obwohl winterliche Bedingungen vorliegen.
  • Einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex im Sommer akzeptieren, obwohl dafür keine Ausnahme besteht.
  • Felgen aus einem anderen Modell übernehmen, ohne ABE, Teilegutachten oder Freigabe zu prüfen.
  • Mischbereifung selbst zusammenstellen, obwohl das Fahrzeug dafür nicht ausgelegt ist.
  • Die Freigängigkeit übersehen, also den Platz zwischen Reifen, Federbein, Bremse und Karosserie.

Die meisten Probleme entstehen nicht durch böse Absicht, sondern durch halbe Informationen. Genau deshalb arbeite ich bei Reifen nie mit Einzelwerten, sondern immer mit der kompletten Kombination aus Größe, Last, Geschwindigkeit und Freigabe. Wer das konsequent macht, spart sich Diskussionen bei der Kontrolle und böse Überraschungen bei der Hauptuntersuchung.

So prüfe ich eine Reifenkombination Schritt für Schritt

  1. Ich schaue zuerst in die Zulassungsbescheinigung Teil I und notiere die eingetragene Basisgröße.
  2. Dann prüfe ich das CoC-Dokument auf weitere zulässige Reifendimensionen und mögliche Achsvarianten.
  3. Ich vergleiche die gewünschte Kombination mit Lastindex und Geschwindigkeitsindex auf der Reifenflanke.
  4. Falls Winter- oder Ganzjahresreifen im Spiel sind, kontrolliere ich das Alpine-Symbol und den Hinweis auf die Höchstgeschwindigkeit.
  5. Bei Felgen, Spurplatten oder Sondergrößen suche ich nach ABE, Teilegutachten oder Herstellerfreigabe.
  6. Wenn etwas nicht eindeutig freigegeben ist, lasse ich die Kombination vor dem Kauf mit einer Prüforganisation oder dem Fachbetrieb abklären.

Das ist in der Praxis die sauberste Reihenfolge, weil sie erst die rechtliche Seite und dann die Technik abdeckt. Wenn du Fahrzeugdaten, CoC und Reifenkontaktblatt griffbereit hast, lässt sich die Entscheidung oft in wenigen Minuten treffen. Und genau so soll es sein: nicht raten, sondern belastbar prüfen, bevor die neue Kombination auf das Auto kommt.

Häufig gestellte Fragen

Die zulässigen Reifengrößen findest du in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) und umfassender im CoC-Dokument (EG-Übereinstimmungsbescheinigung). Der Fahrzeugschein zeigt oft nur eine Basisgröße, das CoC-Dokument listet alle vom Hersteller freigegebenen Kombinationen auf.
Nein, der Fahrzeugschein allein reicht oft nicht aus. Er enthält meist nur eine Standardgröße. Für alle weiteren zulässigen Kombinationen (z.B. alternative Felgengrößen) musst du das CoC-Dokument deines Fahrzeugs konsultieren.
Der Lastindex (LI) gibt die maximale Tragfähigkeit pro Reifen an, der Geschwindigkeitsindex (SI) die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Diese Werte müssen mindestens den Vorgaben im CoC-Dokument entsprechen. Höhere Werte sind in der Regel unproblematisch.
Ja, Winterreifen müssen in Deutschland das Alpine-Symbol (Schneeflockensymbol) tragen, um bei winterlichen Verhältnissen zulässig zu sein. Reine M+S-Reifen sind dafür nicht mehr ausreichend. Ein niedrigerer Geschwindigkeitsindex ist unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
Eine Abnahme ist nötig, wenn du Felgen oder Reifenkombinationen verwendest, die nicht in deinen Fahrzeugpapieren oder CoC-Dokumenten aufgeführt sind und für die kein Teilegutachten oder keine ABE vorliegt. Auch bei Mischbereifung oder Umbauten ist oft eine Prüfung erforderlich.

Artikel bewerten

Durchschnitt: 0.0 / 5 · 0 Bewertungen

Tags

welche reifen darf ich fahren welche reifen sind erlaubt zulässige reifengröße fahrzeugschein reifenfreigabe coc dokument lastindex geschwindigkeitsindex reifen winterreifen alpine symbol pflicht
Autor Guiseppe Naumann
Guiseppe Naumann
Ich bin Guiseppe Naumann und bringe über zehn Jahre Erfahrung im Bereich der Automobilbranche mit. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit Themen wie Auto-Ratgeber, Wartung und Mobilität beschäftigt. Mein Ziel ist es, komplexe Informationen verständlich zu machen und objektive Analysen zu liefern, die den Lesern helfen, informierte Entscheidungen zu treffen. Als erfahrener Content Creator habe ich ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen, mit denen Autofahrer konfrontiert sind, und ich lege großen Wert darauf, aktuelle und verlässliche Informationen bereitzustellen. Mein Ansatz basiert auf gründlicher Recherche und einer klaren Darstellung von Fakten, um sicherzustellen, dass meine Leser auf dem neuesten Stand sind. Ich engagiere mich leidenschaftlich dafür, meinen Lesern qualitativ hochwertige Inhalte zu bieten, die sowohl informativ als auch nützlich sind. Mein Ziel ist es, das Vertrauen meiner Leser zu gewinnen, indem ich ihnen die Informationen liefere, die sie benötigen, um in der Welt der Mobilität erfolgreich zu navigieren.

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen