Beim Reifenwechsel entscheidet nicht nur die Größe, sondern auch die Zahl am Ende der Reifenbezeichnung. Sie legt fest, wie viel Gewicht jeder einzelne Reifen sicher tragen darf. In diesem Beitrag zeige ich die wichtigsten Traglastwerte, erkläre die passende Tabelle und führe vor, wie du den richtigen Lastindex anhand der Fahrzeugpapiere ermittelst.
Die wichtigsten Werte für die richtige Reifenwahl auf einen Blick
- Lastindex 94 bedeutet maximal 670 kg Tragfähigkeit pro Reifen.
- Die zulässige Traglast wird achsweise mit der eingetragenen Achslast verglichen.
- Ein höherer Lastindex ist meist möglich, ein niedrigerer Wert jedoch nicht automatisch zulässig.
- Die tatsächliche Belastbarkeit hängt auch von Luftdruck, Geschwindigkeit und Reifenbauart ab.
- Die verbindlichen Angaben findest du im Fahrzeugschein, CoC-Dokument oder der Herstellerfreigabe.
Was der Lastindex auf dem Reifen wirklich bedeutet
Der Lastindex, auch Tragfähigkeitsindex oder Load Index genannt, ist eine Kennzahl für die maximale Last pro Reifen. Die Zahl steht auf der Reifenflanke und wird nicht direkt in Kilogramm angegeben. Erst die standardisierte Tabelle zeigt, welche Tragfähigkeit dahintersteckt.
Bei der Kennzeichnung 225/45 R17 94V steht die 94 für eine maximale Tragfähigkeit von 670 kg je Reifen. Das ergibt rechnerisch 1.340 kg pro Achse, sofern die Betriebsbedingungen und der vorgeschriebene Luftdruck eingehalten werden. Der Buchstabe V beschreibt dagegen den Geschwindigkeitsindex und steht für eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von bis zu 240 km/h.
Ich sehe in der Praxis häufig, dass Autofahrer nur auf die Reifengröße achten. Das ist riskant, denn ein Reifen mit passender Breite und passendem Durchmesser kann trotzdem einen zu niedrigen Lastindex haben. Gerade bei SUVs, Kombis, Elektroautos und Fahrzeugen mit hoher Zuladung macht dieser Unterschied viel aus.
Die Traglast-Reifen-Tabelle für gängige Autoreifen
Die folgende Übersicht zeigt die standardisierten Werte von Lastindex 50 bis 124. Die Angabe gilt jeweils für einen Reifen, nicht für die komplette Achse oder das gesamte Fahrzeug.
| Lastindex | Tragfähigkeit | Lastindex | Tragfähigkeit | Lastindex | Tragfähigkeit |
|---|---|---|---|---|---|
| 50 | 190 kg | 75 | 387 kg | 100 | 800 kg |
| 51 | 195 kg | 76 | 400 kg | 101 | 825 kg |
| 52 | 200 kg | 77 | 412 kg | 102 | 850 kg |
| 53 | 206 kg | 78 | 425 kg | 103 | 875 kg |
| 54 | 212 kg | 79 | 437 kg | 104 | 900 kg |
| 55 | 218 kg | 80 | 450 kg | 105 | 925 kg |
| 56 | 224 kg | 81 | 462 kg | 106 | 950 kg |
| 57 | 230 kg | 82 | 475 kg | 107 | 975 kg |
| 58 | 236 kg | 83 | 487 kg | 108 | 1.000 kg |
| 59 | 243 kg | 84 | 500 kg | 109 | 1.030 kg |
| 60 | 250 kg | 85 | 515 kg | 110 | 1.060 kg |
| 61 | 257 kg | 86 | 530 kg | 111 | 1.090 kg |
| 62 | 265 kg | 87 | 545 kg | 112 | 1.120 kg |
| 63 | 272 kg | 88 | 560 kg | 113 | 1.150 kg |
| 64 | 280 kg | 89 | 580 kg | 114 | 1.180 kg |
| 65 | 290 kg | 90 | 600 kg | 115 | 1.215 kg |
| 66 | 300 kg | 91 | 615 kg | 116 | 1.250 kg |
| 67 | 307 kg | 92 | 630 kg | 117 | 1.285 kg |
| 68 | 315 kg | 93 | 650 kg | 118 | 1.320 kg |
| 69 | 325 kg | 94 | 670 kg | 119 | 1.360 kg |
| 70 | 335 kg | 95 | 690 kg | 120 | 1.400 kg |
| 71 | 345 kg | 96 | 710 kg | 121 | 1.450 kg |
| 72 | 355 kg | 97 | 730 kg | 122 | 1.500 kg |
| 73 | 365 kg | 98 | 750 kg | 123 | 1.550 kg |
| 74 | 375 kg | 99 | 775 kg | 124 | 1.600 kg |
Einige typische Beispiele helfen bei der Einordnung. Lastindex 88 steht für 560 kg, 91 für 615 kg, 94 für 670 kg und 101 für 825 kg pro Reifen. Die Werte steigen nicht gleichmäßig an, deshalb solltest du die Tragfähigkeit nicht aus der Zahl schätzen.
So ermittelst du den vorgeschriebenen Lastindex
Die wichtigste Zahl steht nicht auf dem Reifen, sondern in den Fahrzeugunterlagen. Im Fahrzeugschein findest du die zulässigen Reifengrößen meist unter den Feldern 15.1 und 15.2. Für weitere freigegebene Rad-Reifen-Kombinationen ist das CoC-Dokument oft die bessere Quelle.
Die Achslast ist entscheidend
Für die Berechnung teilst du die zulässige Achslast durch zwei. Beträgt die maximale Hinterachslast beispielsweise 1.240 kg, muss jeder Reifen dort mindestens 620 kg tragen können. In der Tabelle reicht Lastindex 91 mit 615 kg deshalb nicht aus, während Lastindex 92 mit 630 kg die notwendige Reserve bietet.
Die zulässige Gesamtmasse des Autos allein hilft bei dieser Prüfung nicht weiter. Entscheidend ist, wie viel Gewicht jeweils auf Vorder- und Hinterachse liegen darf. Ich prüfe deshalb immer beide Achsen getrennt, besonders bei Fahrzeugen mit schwerem Motor, großer Batterie oder häufig genutzter Anhängerkupplung.
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Ein höherer Wert ist nicht automatisch die beste Lösung
Ein Reifen mit höherem Lastindex kann grundsätzlich mehr tragen. Trotzdem muss die komplette Kombination aus Reifengröße, Lastindex, Geschwindigkeitsindex, Felge und Fahrzeugfreigabe passen. Ein deutlich höherer Index kann außerdem eine steifere Karkasse und dadurch ein härteres Fahrverhalten bedeuten.
Warum Luftdruck, Geschwindigkeit und Bauart mitentscheiden
Die Angaben in der Tabelle gelten nur unter den vorgesehenen Prüfbedingungen. Die tatsächliche Tragfähigkeit hängt wesentlich vom Reifenfülldruck ab. Zu wenig Luft erhöht die Verformung und Erwärmung des Reifens, wodurch sich Fahrverhalten, Verschleiß und Sicherheit verschlechtern.
Den korrekten Druck findest du am Aufkleber in der Tankklappe, an der B-Säule oder in der Betriebsanleitung. Maßgeblich ist die Vorgabe des Fahrzeugherstellers und nicht der maximale Druck, der auf der Reifenflanke steht.
Auch hohe Geschwindigkeit kann die nutzbare Tragfähigkeit beeinflussen. Bei bestimmten Geschwindigkeitsklassen gelten je nach Reifenmodell und Hersteller Abschläge bei der Belastbarkeit. Deshalb reicht es nicht, nur die Kilogrammzahl aus der Tabelle abzulesen.
Bei Reifen mit den Kürzeln XL, Reinforced, C oder CP gelten zusätzliche Besonderheiten. XL-Reifen sind verstärkt und für höhere Lasten ausgelegt. C-Reifen werden häufig bei Transportern eingesetzt, während CP-Reifen speziell für viele Wohnmobile entwickelt wurden. Diese Bauarten solltest du nicht ohne Freigabe gegeneinander austauschen.
Diese Fehler passieren beim Reifenkauf besonders oft
- Nur die Reifengröße vergleichen: 205/55 R16 beschreibt noch nicht, ob der Reifen den erforderlichen Lastindex besitzt.
- Die Achslast durch vier teilen: Für die Auswahl wird jede Achse einzeln betrachtet und durch zwei geteilt.
- Den höheren Wert blind wählen: Ein höherer Lastindex ist nur sinnvoll, wenn Reifen, Felge und Fahrzeug dafür freigegeben sind.
- Den Luftdruck unterschätzen: Der Tabellenwert gilt nicht unabhängig vom vorgeschriebenen Fülldruck.
- Sommer- und Winterreifen verwechseln: Für beide Reifensätze können unterschiedliche Größen oder Indexwerte zugelassen sein.
Ein weiterer häufiger Irrtum betrifft die DOT-Nummer. Sie informiert über das Herstellungsdatum, sagt aber nichts über die Tragfähigkeit aus. Dafür ist ausschließlich die Lastindexzahl in der Reifenbezeichnung zuständig.
Wenn ein Reifenhändler oder Online-Shop mehrere Varianten anbietet, vergleiche ich zuerst die vollständige Kennzeichnung und erst danach Preis, Rollwiderstand oder Geräuschwert. Ein günstiger Reifen mit unpassender Traglast ist keine Ersparnis, sondern schlicht die falsche Wahl.
Der sichere Kurzcheck vor dem Reifenkauf
Notiere zuerst die zulässigen Achslasten und die freigegebenen Reifengrößen aus den Fahrzeugpapieren. Ermittle danach für jede Achse den mindestens erforderlichen Lastindex und gleiche ihn mit der vollständigen Reifenbezeichnung ab.
- Reifengröße mit Fahrzeugschein oder CoC abgleichen.
- Lastindex mindestens nach Vorgabe wählen.
- Geschwindigkeitsindex und mögliche Sonderregeln prüfen.
- Reifenbauart wie XL, C oder CP berücksichtigen.
- Nach der Montage den vorgeschriebenen Luftdruck einstellen.
Wer diese fünf Punkte kontrolliert, hat die entscheidende Auswahl bereits sauber erledigt. Die Tabelle liefert die Kilogrammwerte, aber die Fahrzeugpapiere bestimmen, welcher Wert für dein Auto tatsächlich zulässig ist.