Beim Kontrollgang fällt eine Schraube im Reifen auf, und sofort stellt sich die entscheidende Frage: Kann ich noch fahren oder muss das Auto stehen bleiben? Ich zeige, was jetzt sicher ist, warum die Schraube zunächst stecken bleiben sollte, wann eine Reparatur möglich ist und mit welchen Kosten in Deutschland ungefähr zu rechnen ist.
Eine eingedrungene Schraube erfordert vor allem eine schnelle und ruhige Entscheidung
- Nicht herausziehen: Die Schraube verschließt den Einstich oft noch teilweise und bremst den Luftverlust.
- Reifendruck prüfen: Bei starkem Druckverlust oder einem platten Reifen nicht weiterfahren.
- Lauffläche entscheidet: Dort ist eine fachgerechte Reparatur häufig möglich, an der Seitenwand meistens nicht.
- Werkstatt statt Eigenversuch: Für die Beurteilung muss der Reifen in der Regel von der Felge abgezogen werden.
- Kosten einplanen: Eine einfache Reparatur liegt oft ungefähr zwischen 30 und 50 Euro.

Sofort richtig handeln und die Schraube stecken lassen
Meine wichtigste Regel lautet: Die Schraube nicht sofort entfernen. Sie kann das Loch noch abdichten. Wird sie herausgedreht, entweicht die Luft oft deutlich schneller und der Reifen kann innerhalb kurzer Zeit vollständig drucklos werden.
Prüfe zuerst den Reifendruck mit einem Messgerät oder über das Reifendruckkontrollsystem. Ein leuchtendes RDKS-Symbol, also die Warnung des Reifendruckkontrollsystems, ist kein Hinweis zum Weiterfahren, sondern ein Anlass zur Kontrolle. Fällt der Druck sichtbar ab, sollte das Fahrzeug nicht mehr bewegt werden.
Ist der Reifen noch ausreichend gefüllt und steht das Auto sicher, vereinbare möglichst schnell einen Termin beim Reifenfachbetrieb. Bis dahin kontrolliere ich den Druck lieber einmal zu viel als zu wenig. Schon eine kurze Fahrt mit zu geringem Druck kann die Seitenwand und die innere Karkasse beschädigen, selbst wenn die Schraube anfangs nur langsam Luft entweichen lässt.
Bei einer Panne auf der Autobahn
Auf der Autobahn zählt zuerst die eigene Sicherheit. Warnblinkanlage einschalten, das Fahrzeug möglichst weit rechts ausrollen lassen, eine Warnweste anziehen und hinter der Leitplanke auf Hilfe warten. Bei einem sichtbar platten Reifen ist der Pannendienst die richtige Lösung, nicht der Versuch, noch einige Kilometer bis zur nächsten Ausfahrt zu fahren.
Entscheidend ist die Stelle des Schadens
Ob der Reifen gerettet werden kann, hängt weniger vom Gegenstand selbst als von seiner Position und der Größe des Einstichs ab. Eine Schraube in der mittleren Lauffläche bietet deutlich bessere Voraussetzungen als ein Schaden nahe der Schulter oder in der Seitenwand.
| Schadensstelle | Übliche Einschätzung | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Mittlere Lauffläche | Reparatur oft möglich | Reifen ausbauen und innen prüfen lassen |
| Schulterbereich | Reparatur meist kritisch | Entscheidung nur durch den Fachbetrieb |
| Seitenwand | In der Regel nicht reparierbar | Reifen ersetzen |
| Innenseite beschädigt | Häufig nicht mehr sicher | Meist Austausch erforderlich |
Als grober Richtwert gelten bei Pkw-Reifen Einstiche bis etwa 5 Millimeter in einem geeigneten Bereich häufig als reparierbar. Das ist aber keine Freigabe für die eigene Beurteilung. Ein Reifen, der längere Zeit mit zu wenig Luft gefahren wurde, kann innen bereits geschädigt sein, obwohl außen nur ein kleines Loch zu sehen ist.
Besonders vorsichtig bin ich bei Schäden an der Seitenwand. Dort arbeitet der Reifen bei jeder Umdrehung stark, und eine Reparatur kann die notwendige Stabilität nicht zuverlässig wiederherstellen. Eine sichtbare Beule, ein Riss oder freiliegendes Gewebe bedeutet deshalb normalerweise neuer Reifen statt Reparatur.
Reparatur oder neuer Reifen
Für eine seriöse Entscheidung wird der Reifen normalerweise von der Felge demontiert. Erst dann kann die Werkstatt die Innenseite, die Karkasse und mögliche Schäden durch Fahren mit niedrigem Druck prüfen. Ein äußerlich eingesetzter Stopfen zeigt nicht, ob das tragende Gewebe im Inneren bereits gelitten hat.
Eine fachgerechte Reparatur erfolgt je nach Schaden mit einem geeigneten Reparaturkörper und einer Abdichtung von innen. Der ADAC nennt für ein einfaches Nagel- oder Schraubenloch ungefähr 30 Euro bei einer Kaltreparatur und etwa 50 Euro bei einer Reparatur mit Warm- oder Heißvulkanisation. Die tatsächliche Rechnung hängt vom Reifen, dem Aufwand und dem jeweiligen Betrieb ab.
Ein Austausch ist sinnvoll oder zwingend, wenn die Seitenwand betroffen ist, die Karkasse beschädigt wurde, der Einstich deutlich größer ist oder der Reifen platt gefahren wurde. Auch Alter, starke Abnutzung oder bereits vorhandene Reparaturen können gegen eine weitere Nutzung sprechen. Die vermeintlich günstige Reparatur wäre dann nur ein Aufschub und keine sichere Lösung.
Warum ein einzelner neuer Reifen nicht immer ideal ist
Muss nur ein Reifen ersetzt werden, sollte die Werkstatt prüfen, wie stark der Reifen auf derselben Achse bereits abgenutzt ist. Große Unterschiede bei Profiltiefe und Reifentyp können das Fahrverhalten verändern. Bei Fahrzeugen mit Allradantrieb gelten oft besonders strenge Vorgaben des Herstellers, weil unterschiedliche Abrollumfänge den Antriebsstrang belasten können.
Ich würde deshalb nicht allein nach dem niedrigsten Stückpreis entscheiden. Ein passender Satz auf einer Achse und eine anschließende Kontrolle von Reifendruck, Laufrichtung und Profiltiefe sind wichtiger als ein vermeintliches Schnäppchen.
Wann darf man noch bis zur Werkstatt fahren
Eine kurze Fahrt zur nahe gelegenen Werkstatt kann vertretbar sein, wenn der Reifen sichtbar rund steht, der Druck stimmt und die Werkstatt die Weiterfahrt ausdrücklich für verantwortbar hält. Dann langsam fahren, starke Lenkbewegungen vermeiden und Autobahnfahrten möglichst ausschließen. Den Druck sollte man vor der Fahrt und nach wenigen Kilometern erneut kontrollieren.
Bei einem platten Reifen, starkem Ziehen zur Seite, ungewöhnlichen Geräuschen oder einer erneut aufleuchtenden Druckwarnung gilt sofort anhalten. Ein normales Notrad darf nur mit der auf seiner Seitenwand angegebenen Geschwindigkeit und Strecke verwendet werden. Ein Reifenreparaturset mit Dichtmittel ist ebenfalls nur ein Notbehelf und bringt meist eine Begrenzung auf höchstens 80 km/h mit sich.
Wichtig ist der Unterschied zwischen einer provisorischen Pannenhilfe und einer fachgerechten Instandsetzung. Der ADAC weist darauf hin, dass ein mit flüssigem Dichtmittel behandelter Reifen später in der Regel nicht mehr professionell repariert werden darf. Deshalb sollte man vor dem Einsatz des Kits abwägen, ob ein Ersatzrad oder der Pannendienst die bessere Lösung ist.
Lesen Sie auch: Goodyear Vector 4Seasons Gen-2 Test - Lohnt er sich noch?
Besonderheiten bei Run-Flat-Reifen
Run-Flat-Reifen besitzen verstärkte Seitenwände und können bei Druckverlust eine begrenzte Weiterfahrt ermöglichen. Häufig gelten maximal 80 km/h und höchstens 80 Kilometer, aber maßgeblich sind die Angaben des Fahrzeug- und Reifenherstellers. Auch bei dieser Technik sollte der Reifen möglichst bald geprüft werden, weil ein Druckverlust die Fahreigenschaften verändert.
Was nach der Reparatur geprüft werden sollte
Nach dem Einbau muss der Reifen auf den vom Fahrzeughersteller vorgeschriebenen Druck gebracht werden. Dieser Wert steht meist an der Tankklappe, an der B-Säule oder in der Betriebsanleitung und kann bei voller Beladung höher sein. Der Wert auf der Reifenflanke ist dagegen nicht der normale Fahrzeugfülldruck, sondern meist der maximal zulässige Druck.
Bei Fahrzeugen mit direktem RDKS kann ein Sensor im Rad sitzen, der nach der Reparatur oder dem Radwechsel neu angelernt werden muss. Bei einem indirekten System wird der Druckverlust über die Raddrehzahlen erkannt. In beiden Fällen sollte die Warnung nach dem korrekten Befüllen und Zurücksetzen des Systems erlöschen.
Nach einigen Kilometern lohnt sich eine kurze Kontrolle. Achte auf neuen Druckverlust, Vibrationen, einseitigen Abrieb oder ungewöhnliche Laufgeräusche. Wenn eines dieser Zeichen auftritt, sollte der Reifen erneut in den Fachbetrieb, auch wenn die Reparatur zunächst dicht war.
Die richtige Entscheidung bei einer Schraube im Reifen
Steckt der Fremdkörper in der Lauffläche und hält der Reifen den Druck, stehen die Chancen auf eine Reparatur oft gut. Trotzdem bleibt die Reihenfolge entscheidend: Schraube stecken lassen, Druck prüfen, nicht unnötig fahren und den Reifen fachgerecht untersuchen lassen.
Ist die Seitenwand beschädigt, der Reifen bereits platt oder nach einer Notreparatur mit Dichtmittel behandelt, sollte man nicht auf eine dauerhafte Lösung hoffen. In solchen Fällen ist ein Austausch oder die Pannenhilfe meist die sicherere und am Ende oft auch ehrlichere Entscheidung.